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Den Kombitankstellen gehört die Zukunft, wenn es nach Marc Zysset geht.
1/2 Bild: zVg Den Kombitankstellen gehört die Zukunft, wenn es nach Marc Zysset geht.
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Der Anteil an Elektroenergie soll in den nächsten Jahren vergrössert werden.
2/2 Bild: zVg Der Anteil an Elektroenergie soll in den nächsten Jahren vergrössert werden.
10.02.2018 07:30

«Es sind nur noch Details zu regeln»

Wattwil Seit dem letzten Jahr ist – quasi als Pilotprojekt – die erste Kombitankstelle dieser Art in Herisau eröffnet worden, bisher mit Erfolg. Nun will die Säntis Energie AG im Wattwiler Färch die erste Tankstelle im Toggenburg aufstellen. Gegen das Baugesuch sind bei der Gemeinde Wattwil innerhalb der gesetzlichen Frist keine Einsprachen eingegangen, wie es auf Anfrage heisst. Die Dokumente liegen derzeit aber noch beim Kanton, weil die Bauherren noch zusätzliche Dokumente nachliefern müssen. «Es handelt sich um Unterlagen zu einem Detail, die wir momentan noch zusammentragen», stellt Marc Zysset fest. Man rechne damit, die Baubewilligung bis Ende Februar zu erhalten. Nach einer erneuten Rekursfrist von 30 Tagen hoffen die Verantwortlichen, im Frühjahr mit den Bauarbeiten beginnen zu können. Läuft alles planmässig, so soll die Kombitankstelle im Sommer dieses Jahres eröffnet werden.

Schlank und leistungsfähig

Das Gebäude wird am Ende deckungsgleich aussehen wie jenes in Herisau. Vorteil der Anlage: Sie braucht wenig Platz – in etwa drei Parkfelder – und kann leicht ans bestehende Erdgas- und Stromleitungsnetz angeschlossen werden. Das schlanke Element verfügt über eine Stromleistung von 50 Kilowatt und ist als Schnelllader gedacht. Die Kunden können entweder Ökostrom oder drei verschiedene Varianten von Bio- respektive Erdgas tanken: 10 Prozent Bio-/90 Prozent Erdgas, je 50 Prozent von beidem oder 100 Prozent Biogas. Letztgenannte Variante ist am teuersten (und doch nur gleich teuer wie Benzin), die erstgenannte am günstigsten (50 Rappen günstiger als ein Liter Benzin). Idee beim Elektroteil sei, dass die Verbraucher ihr Auto nur 20 bis 30 Minuten laden würden, um damit die Reichweite zu verbessern, sagt Zysset. «Das Ganze ist nicht zum Volltanken gedacht, da dies praktisch alle Elektroautofahrer zu Hause oder am Arbeitsplatz tun.» Der Geschäftsführer der Säntis Energie AG sieht noch einen weiteren Vorteil dieser Art von Kombitankstelle: «Für das Grundwasser besteht im Gegensatz zu konventionellen Tankstellen überhaupt kein Risiko.»

Wattwil, und dann?

Man stelle die weltweit zweite Anlage dieser Art in Wattwil auf, «weil wir hier unser Stammgebiet haben», erklärt Zysset. Man habe aber auch schon Anfragen von Orten aus der restlichen Schweiz erhalten. Das Konzept könne man leicht übernehmen, da ausser einem soliden Fundament und einem Anschluss ans Erdgas- und Stromnetz keine besonderen Voraussetzungen erfüllt werden müssten. Zysset schätzt das Entwicklungspotenzial für Ökostrom-Erd-/Biogas-Tankstellen als riesig ein. «Da die Politik beschlossen hat, dass der Ausstoss von Treibhausgasen wie Kohlendioxid drastisch verringert werden muss, können wir den grossen Kuchen Treibstoffe anknabbern.» Jenes Umsatzvolumen liege schweizweit um rund zehn Milliarden Franken, und je mehr Gewicht das Thema «erneuerbare Energien» erhalte, desto stärker erhöhe das die Chancen für strom- und gasbetriebene Fahrzeuge. Auch deshalb wird bereits der Bau von umweltfreundlichen Kombitankstellen an weiteren Standorten ins Auge gefasst. Wo die Anlagen zu stehen kommen, steht aber noch nicht fest.

Von Pascal Spalinger