Bild: zVg
1/2 Bild: zVg
Janka Reimmann.  zVg
2/2 Janka Reimmann. zVg
16.10.2019 06:06

Smartphones machen blind

Uznach Wenn Menschen auf ihr Smartphone anstatt auf den Gehweg schauen, kann es zu Unfällen mit Blinden kommen: Gestern wurde im Rahmen des Tages des weissen Stockes in Uznach auf das Thema aufmerksam gemacht. Gestern war der internationale Tag des weissen Stockes. Aus diesem Grund fand in Uznach eine Aktion statt. Betroffene und Fachpersonen machten gemeinsam auf das Thema «Hindernisse auf Gehwegen» aufmerksam. «Den Tag nutzen wir jeweils, um auf unterschiedliche Themen, die sehbehinderte und blinde Personen betreffen, hinzuweisen», sagt Janka Reimmann, Botschafterin von der Regionalgruppe Zürich des Schweizerischen Blindenbundes. Reimmann ist selbst sehbehindert und kennt die Hindernisse aus eigener Erfahrung. «Es geht auch darum, zu zeigen, was der weisse Stock bedeutet», erklärt Reimmann. Nämlich, dass die betroffene Person wenig oder gar nichts sieht. Konkret hatten Interessierte die Möglichkeit, einen Parkour mit einer Dunkelbrille und weissem Stock zu absolvieren. «Dabei können Sehende selbst erfahren, welche Hindernisse zum Problem werden», sagt Reimmann. Die Aktion wurde vom Schweizerischen Blindenbund und dem Schweizerischen Blindenverband durchgeführt. Der Schweizerische Blindenbund hat in Uznach auch eine Beratungsstelle, wo sich Betroffene informieren und beraten können.

E-Scooter und Smartphones

Auch wenn die meisten Leute eine blinde Person am weissen Stock erkennen, haben in letzter Zeit die Probleme für Blinde zugenommen. Dadurch, dass viele Personen vermehrt auf den Bildschirm ihres Smartphones, anstatt auf die Umgebung achten, erkennen sie nicht, wenn eine sehbehinderte Person unterwegs ist. «Während der Rushhour an Bahnhöfen schauen viele Personen aufs Handy. Ich habe schon oft erlebt, dass Menschen in mich hineingelaufen sind», sagt Reimmann. Eine weitere Herausforderung stellen die aktuellen Entwicklungen in der Mobilität dar. Neuerdings gibt es in vielen Städten auch Elektro-Trendfahrzeuge. «Wenn ein Elektro-Trottinett im Weg steht, kann das zum Hindernis werden.» Die Trottinetts können in den betreffenden Städten überall abgestellt und mitgenommen werden, in der Regel dank einer App. «Die stehen zum Teil mitten auf dem Trottoir», sagt Reimmann.

Nicht auf Smartphone schauen

Janka Reimmann wünscht sich, dass die Bevölkerung mehr sensibilisiert wird. «Es geht darum, dass die Leute aufmerksam werden, wenn sie jemanden mit einem weissen Stock sehen», so Reimmann. Auch seien es nicht nur Blinde, die Mühe haben. Auch ältere Menschen seien schnell überfordert, wenn sie durch eine grosse Menschenmenge gehen müssten. «Etwas vom wichtigsten ist, dass die Leute darauf achten, wohin sie selbst laufen», so Reimmann. Beim Laufen nicht mehr auf das Smartphone zu schauen, damit wäre bereits ein wichtiger Schritt getan.

Steven Giger