Andreas Fäh ist zuversichtlich, dass seine Pläne zur Neugestaltung des Benkner Dorfdreiecks bald umgesetzt werden. mar
1/3 Andreas Fäh ist zuversichtlich, dass seine Pläne zur Neugestaltung des Benkner Dorfdreiecks bald umgesetzt werden. mar
Andreas Fäh plant seit vier Jahren die Neugestaltung des Benkner Dorfdreiecks. mar
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Andreas Fäh plant seit vier Jahren die Neugestaltung des Benkner Dorfdreiecks. mar
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12.02.2020 09:30

«Mit dem Strassenbau ging die Identität im Ortskern verloren»

Benken Der Architekt Andreas Fäh von Fäh Architekten will das Benkner Dorfdreieck erneuern. Im Interview mit der See & Gaster Zeitung erklärt er, weshalb die Bauarbeiten noch nicht begonnen haben und welche Reaktionen er aus der Bevölkerung erhalten hat.

Andreas Fäh, wie kamen Sie dazu, das Dreieck neu zu gestalten?

Wie vielerorts ist auch im Ortskern von Benken die Identität und Aufenthaltsqualität mit dem Strassenausbau verloren gegangen. Die Gemeinde hat 2015 ihr Bestreben, das Dorfdreieck aufzuwerten, aufgegeben und plante, Ihre Liegenschaft im Dreieck – das «Bürdel-Haus» – zu sanieren. Der kostspielige Umbau hätte für die Bevölkerung keinen Mehrwert generiert. Eine Verbesserung der Verkehrssituation wäre verunmöglicht worden. Diese Absicht konnte ich persönlich nicht mittragen. Deshalb ergriff ich die Initiative, um aus der heutigen Dorfmitte einen Begegnungsort zu schaffen, mit dem sich die Bevölkerung wieder identifizieren kann.

Sie planen schon seit vier Jahren an der Neugestaltung des Benkner Dorfdreiecks. Wann wird gebaut?

Wenn es nach mir ginge, dann möglichst bald. Idealerweise liegen Strassenprojekt, Sondernutzungsplan und Teilzonenplan gleichzeitig auf, da sich die Projekte gegenseitig bedingen. Laut aktuellem Bericht des Tiefbauamts soll das Strassenprojekt noch 2020 aufliegen, also früher als noch 2019 geplant. Einige grosse Hürden konnten zum Glück schon vorab geklärt werden.

Welche Hürden waren das?

Ein Beispiel dafür sind die sich im Dreieck befindlichen Besucherparkplätze des Restaurants Krone. 2015 reichte ich dem Tiefbauamt ein Bebauungskonzept mit Erhalt der Parkplätze an dieser Stelle ein. Damit überhaupt eine Lösung möglich wird, kompensiere ich mit meinem Bauland den Flächenbedarf der Kantonsstrasse auf dem fremden Grundstück.

Ist es nicht frustrierend, wenn ein Projekt so lange nicht umgesetzt werden kann?

Ja, es braucht Ausdauer. Bei Innenentwicklungsprojekten wie der Neugestaltung des Dorfdreiecks kommen viele Interessen auf relativ kleinem Raum zusammen. Ohne Dialog und Kompromissbereitschaft geht nichts. Immerhin, aber leider erst nach rund zweieinhalb Jahren, fanden mit dem Kanton konkrete Gespräche zum Parkplatz Krone statt. Ende 2018, drei Jahren nach Einreichung meiner Projektpläne konnte schliesslich eine Lösung erzielt werden.

Was war Ihnen bei der Gestaltung besonders wichtig?

Mir war es wichtig, dass sich die drei neuen Gebäude gut ins gewachsene Dorf einpassen. Identifizierungsmerkmale des alten Dorfdreiecks, wie die drei Standorte der markantesten Gebäude, bestehende Freiräume und Fusswege, habe ich bewusst beibehalten. Ich verstehe die Architektur an diesem Ort als Weiterbauen am Dorf. Mit Elementen wie dem Steildach oder horizontaler Fassadengliederung werden ortstypische Merkmale übernommen, jedoch nicht 1:1 kopiert. So ist zum Beispiel das Mansardendach nicht mehr geschwungen, sondern vertikal.

Weshalb wird die Einbahnstrasse zur Fussgängerzone?

Die Fussgängerzone wird durch die Aufhebung der Einbahnstrasse möglich, welche wiederum nur zusammen mit dem Ersatzbauprojekt realisierbar ist, denn der Ausbau der verbleibenden und bereits zweispurigen Strasse bedingt den Rückbau von sieben Gebäuden. Der Kanton sieht im Einbahnregime ein «erhöhtes Sicherheitsrisiko». Fussgängerstreifen erfüllen seit über sieben Jahren die Sicherheitsanforderungen der Kantonspolizei nicht mehr. Die geplante Mittelinsel vor dem Rössli kann nur gebaut werden, wenn das Bürdel-Haus, welches ich 2015 noch sanieren sollte, zurückgebaut wird. Mit meiner Initiative ermögliche ich der Gemeinde und dem Kanton eine Lösung für diese Verkehrssicherheitsdefizite.

Sie haben das Projekt letzte Woche der Bevölkerung vorgestellt. Wie war die Resonanz darauf?

Mir war es wichtig, dass die Bevölkerung aus erster Hand Informationen erhält und Fragen stellen kann. Das Interesse war sehr gross und der Saal bis auf die letzten Plätze belegt. Nach der Präsentation bedankte ich mich bei den Anwesenden mit einem Apéro. In den persönlichen Gesprächen durfte ich viele Komplimente entgegen nehmen, einerseits dafür, dass ich das Projekt in Angriff genommen habe, aber auch zur Gestaltung der Bauten selber, respektive der guten Einfügung im Ortsbild. Ich persönlich habe die Stimmung am Abend als sehr positiv empfunden.

Werden Sie die Liegenschaft anschliessend verkaufen oder sich selbst um die Vermietung kümmern?

Ich werde mich selbst um die Liegenschaft kümmern. Die altersgerecht geplanten Wohnungen können gemietet und bei Bedarf mit Service wie Mahlzeitendienst, Reinigung oder Notruf ergänzt werden. Fest eingeplant ist ein Café mit Bäckerei an prominenter Lage im Erdgeschoss. Zudem sähe ich mit einer allfälligen integrierten Arztpraxis eine sehr gute Ergänzung für die Bewohnerinnen und Bewohner.

In der Überbauung ist ein Gemeinschaftsraum eingeplant. Hatte die Gemeinde diesen gewünscht?

Ja, der Wunsch wurde geäussert. Ein Planungsauftrag besteht jedoch nicht. Die Planungskosten trage ich selber. Die politische Gemeinde und die katholische Kirchgemeinde haben jedoch 2016 beschlossen, den Raum zu übernehmen und im Gegenwert jeweils ein Grundstück im Dorfdreieck für die Überbauung abzugegeben. Mir war wichtig, dass der Raum zentral gelegen und für alle ebenerdig zugänglich ist.

Und wie soll er verwendet werden?

Der Gemeinschaftsraum ergänzt mit dem Hauptraum, Foyer, Küche und WC-Anlage den Zentrumsplatz und schafft einen Ort der Begegnung. Die Räumlichkeiten eignen sich für verschieden grosse Veranstaltungen, seien es Theater, Konzerte, Vorträge, Sitzungen, Tagungen, Ausstellungen, Altersfitness, Samstagsmarkt, Familientreff und vieles mehr. Ich wünsche mir, dass jetzt eine Diskussion über die konkrete Nutzung dieses Angebots entsteht.

Manuel Reisinger