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Burg Iberg hoch über Wattwil.
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Burg Iberg hoch über Wattwil.
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Joey Isenring ist Vereinspräsident und Burgwart der Burg Iberg.
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Joey Isenring ist Vereinspräsident und Burgwart der Burg Iberg.
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08.08.2017 07:28

Der Burgenwart zu Iberg

WATTWIL Die Idee kam ihm 2016. Im Rahmen seiner Maturaarbeit wollte Joye Isenring in der Burg Iberg ein Museum errichten. «Ich habe mit Mittelalterexperten und der Denkmalpflege gesprochen und ein Konzept ausgearbeitet,» sagt der 21-jährige Wattwiler. Doch die Vorstellungen eines Mittelaltermuseums gingen wohl diametral auseinander: Er errechnete sich ein Budget von 15'000 Franken, die Gemeinde meinte, es wären 50'000 Franken nötig und die Denkmalpflege fand, unter einer halben Million Franken sei gar nichts zu machen, erinnert er sich. Er stellte sich vor, die Burg mit Möbelreplika auszustatten, um so den Besuchern einen Eindruck des Mittelalters zu ermöglichen. Als Isenring merkte, dass sich seine Idee nicht so einfach realisieren liess, beschloss er, einen Verein zu gründen. Der Vereinszweck ist «der Erhalt der Burg Iberg», wie es in den Statuten heisst.

Alsbald machte sich Isenring auf die Suche nach Mitgliedern. Er ging Leute aus seinem Umfeld an, versandte Anfragen an Wattwiler Firmen. «Heute hat der Verein rund 40 Mitglieder», sagt Isenring stolz. Er selbst ist Vereinspräsident und hat das Amt des Burgenwarts inne.

In seinem ersten Existenzjahr war der Verein denn alles andere als inaktiv. Es wurde eine Mängelliste erstellt: Das Geländer im Eingangsbereich war locker, ein Schloss musste ersetzt werden, ein Fensterladen fehlte. Des Weiteren sollte die Burg gereinigt und Graffitis übermalt beziehungsweise entfernt werden. Es waren viele Arbeiten, doch die meisten wurden innerhalb eines Jahres erledigt.

«Die Zusammenarbeit mit der Gemeinde ist sehr gut», freut sich Isenring, der im Durchschnitt und bei schönem Wetter einmal in der Woche auf der Burg Iberg auf einem Rundgang anzutreffen ist. «Seit es den Verein gibt, hat die Gemeinde rund um die Burg aufgeräumt, eine neue Grillstelle errichtet, Abfallkübel aufgestellt und die Sitzbänke ausgebessert, sagt er und fügt an: «Wir vom Verein wollen noch eine Tafel erstellen, die das Panorama im Mittelalter zeigt.» Auf der Tafel wird dann viel Wald zu sehen sein.

Und woher diese Begeisterung fürs Mittelalter? «Schon als Kind mochte ich Burgen und Ritter», erinnert sich Isenring, dessen Mutter aus Taiwan stammt und fügt an. «Zurzeit gibt es rund ums Mittelalter einen Hype. Überall finden Mittelaltermärkte und -festivals statt oder am Fernsehen wird die das Mittelalterprojekt «Dahinden vor 500 Jahren» oder «Im Schatten der Burg» ausgestrahlt. Es war einfach eine faszinierende Zeit.»

Doch das Mittelalter wird bloss Isenrings Hobby bleiben. Als nächstes plant er einen Freiwilligeneinsatz im Kloster Einsiedeln und nächsten Januar geht’s in die Rekrutenschule. Darauf freut er sich: «Die RS gehört einfach zum Leben eines jungen Mannes dazu», findet er. Und in einem Jahr nimmt er sein Studium der Rechtswissenschaften an der HSG in Angriff: «Ich will einmal Staatsanwalt werden: Böse Jungs jagen, mit der Polizei zusammenarbeiten und im Namen des Staates die Anklage vertreten.»

Es gibt viele verschiedene Varianten, wie die Wattwiler Burgruine genannt wird: Ybergburg, Yburg oder Burg Iberg. Das ist Isenring egal: «Korrekt heisst es ‚Burg Iberg’, weil sie von einem Herrn Iberg gebaut wurde, aber selbst ich nenne sie manchmal Yburg…»

Michel Bossart

Die Burggeschichte

Um das Jahr 1240 herum liess der Abt durch seinen Dienstmann aus dem Geschlecht der Iberg in Wattwil eine Burg bauen. Die Festung sollte einerseits die wichtigen Passübergänge über den Ricken und die Laad sichern. Andererseits musste sie auch die Rechte des Abtes durchsetzen und vor allem jede kriegerische Handlung des Grafen überwachen. Kaum war die Festung fertiggestellt, überfiel Graf Kraft I die Burg. Um die Iberg wieder in seien Hand zu bringen, baute der Abt um 1253 auf der östlichen Talseite die Veste Bärenfels. Bereits im Jahr 1259 nahm der Abt Iberg wieder ein. Später führten die Äbte und das Grafenhaus um den Besitz der Iberg noch öfters Fehden.

Wer heute in die Burg eintritt, der steht wahrscheinlich im oder über dem Kerker. In den feuersicheren Gewölben lagen auch die Kirchenschätze des Klosters St. Gallen. Diese wurden während des Dreissigjährigen Kriegs nach Wattwil gebracht. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts liessen sich Lehensleute im Schloss nieder und aus der Veste wurde ein Bauern- und Gasthaus. Heruntergekommen und vernachlässigt wurde der Bau hundert Jahre später verlassen und stand für rund zwei Jahrzehnte leer.

Ein Fabrikant liess 1835 den gewaltigen Dachstuhl abbrechen und alles Holz und alle Ziegel wegführen. Er war wütend darüber, dass die Gemeinde seinen Vorschlag, das Schloss als Armenhaus zu übernehmen, ablehnte. Schutzlos dem Wetter preisgegeben, zerfielen die Mauern. 1883 ging die Burgruine durch Schenkung in das Eigentum der Gemeinde über. Heute erinnert noch der 1902 wiederaufgebaute Turm auf der Anhöhe westlich des Dorfes an die vergangen, bewegten Zeiten.

pd/mbo